Grundsätzliches zur Hunderettungsarbeit
Die Ausbildung orientiert sich an einem wichtigen Grundsatz: jeder Hund und jeder Hundeführer hat individuelle Eigenarten auf die in der Ausbildung einzugehen ist. Die Rettungshundausbildung wird individuell auf charakterliche und rassespezifische Eigenarten des Hundes abgestimmt, um unseren Hunden von Anfang an ein eigenständiges Arbeiten zu ermöglichen. Je nach körperlicher Leistungsfähigkeit, Temperamentslage und Motivationsfähigkeit gilt es die optimale Ausbildungsmethode für jeden einzelnen Hund herauszuarbeiten.
Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass jeder Hund sich für die Rettungshundearbeit eignet. Nach ca. 3 Monaten werden die Hunde einem Eignungstest unterzogen.
Folgende Punkte werden dabei überprüft:
Das Team
Ein mindestens ebenso entscheidender Faktor ist der Hundeführer. Nur als Team können Hund und Führer erfolgreich arbeiten. Der Hundeführer muss lernen seinen Hund zu "lesen", er muss seine Mimik deuten und seine Gefühlslage erkennen können. Unvorhergesehene
Reaktionen des Hundes muss der Hundeführer zu deuten wissen.Die Fähigkeit des Hundeführers die Botschaft des Hundes zu erkennen kann im Ernstfall ein Menschleben retten.Im Zuge der Rettungshundeausbildung entsteht zwischen Hund und Hundeführer ein inniges Vertrauen, welches laufend durch gemeinsame Erfolgserlebnisse in der Ausbildung und im Idealfall im Einsatz gefestigt wird. Ein erfahrenes Team versteht sich letztendlich "blind" und bildet eine unzertrennliche Einheit. Dies ist das Ziel, das jeder Ausbildung zugrunde liegen sollte.
Geduld und Liebe zum Hund sind dabei die Grundvoraussetzung. Auf dieser Grundlage geschaffenes Potential hält ein Leben lang und bereichert das Zusammenleben von Hund und Halter über den Rettungshundebereich hinaus.
Der Hundeführer / Helfer
Hundeführer und Helfer werden je nach Fachausbildung geschult in:
Der Hundeführer muss in seinem Suchgebiet anhand der äußeren Umstände wie Tageszeit, Witterungsverhältnisse, Windrichtung und -geschwindigkeit, Geländeverhältnisse, etc. selbständig die optimale Suchtaktikfestlegen können. Sämtliche Prüfungen, Schulungen und Lehrgänge werden dokumentiert. Ohne die erforderlichen Nachweise ist eine Zulassung zur Prüfung nach GemPPO - RHT gemäß DIN 13050 nicht möglich.
2. Flächensuche
Schlechte Wetterverhältnisse, einbrechende Dunkelheit sowie unwegsames Gelände, lässt den Mensch oder technische Hilfsmittel an Grenzen stoßen, wenn ein Gebiet schnellstmöglich flächendeckend abzusuchen ist. Hier bietet sich der Einsatz des Hundes durch seinen hervorragenden Geruchssinn, seiner Lauffreudigkeit und Geschicklichkeit an. Hunde können auch im Dunkeln und bei schlechtem Wetter auf große Entfernungen das Geruchsbild "Mensch" aufspüren. Rettungshunde werden in der Flächensuche eingesetzt, um vermisste Menschen in Lebensgefahr aufzuspüren.
z.B.
Im Notfall zählt jede Sekunde. Ein Suchhund kann eine Person ca. fünf mal schneller finden als eine Suchkette. Die Überlebenschance der Person ist also fünf Mal größer. Ist der Hunde fündig geworden, zeigt er dem Hundeführer die vermisste Person an, indem er beispielsweise lang anhaltend bellt, oder rückverweist. Jetzt beginnt die Erstversorgung der Person durch den Hundeführer. Dieser leistet Erste Hilfe und betreut die aufgefundene Person bis die angeforderten Rettungskräfte vor Ort eintreffen.
3. Personenspürhund (Mantrailer)
Häufig ist bei vermissten Personen zwar der letzte Aufenthaltsort bekannt, nicht aber der Ort, wo diese sich hinbegeben haben könnten. Hier kann u. U. ein Mantrailer weiterhelfen. Dieser benötigt außer einem Geruchsartikel der vermissten Person nur den letzten bekannten Aufenthaltsort (z.B. ein Auto oder die Wohnung). Von diesem Punkt ausgehend kann der Mantrailer die so genannte Trail (also die Geruchsspur, die jeder Mensch hinterlässt) über jeden Untergrund und ggf. über mehrere Kilometer hinweg bis hin zur Person verfolgen. Ein Vorteil des Mantrailers ist auch, dass er in Ortschaften eingesetzt werden kann, da er in der Regel während des Arbeitens stets angeleint ist.
Selbst wenn der Mantrailer nicht in der Lage ist, den genauen Aufenthaltsort der vermissten Person zu ermitteln, so kann er die Suchmaßnahmen (Hubschrauber, Wärmebildkamera, Suchmannschaften, Rettungshundeteams, ...) unterstützen, in dem er etwa die Laufrichtung der vermissten Person bestimmt und somit das abzusuchende Gebiet eingrenzen hilft. Oder er kann durch eine Negativanzeige darauf hinweisen, dass sich die gesuchte Person aus dem Suchgebiet entfernt hat (in dem sie z. B. in ein Verkehrsmittel eingestiegen ist) oder sich erst gar nicht in diesem Gebiet aufgehalten hat. Die Ausbildung zum Mantrailer ist sehr umfangreich, da diese nicht nur in Wald und Feld, sondern auch in Ortschaften stattfindet. Außerdem gilt es, den Hund mit einer Vielzahl von Situationen bekannt zu machen. Zudem ist die Ausbildung des Hundeführers sehr zeitaufwändig, weil dieser möglichst viel über Geruch und dessen Eigenschaften, über Witterungsbedingungen etc. wissen muss, um zu verstehen, wie ein Hund eine Trail aufnehmen und verfolgen kann und wovon deren Haltbarkeit und "Lage" abhängt. Daher ist die relativ lange Ausbildungszeit von mindestens drei Jahren zu erklären.
4. Trümmersuche
Bei Erdbeben, Explosionen oder andere Unglücksfällen werden Personen immer wieder lebensbedrohlich verschüttet oder eingeschlossen.
Ausgebildete Trümmersuchhunde beweisen immer wieder, dass sie in solchen Situationen trotz aller technischen Möglichkeiten nach wie vor unverzichtbar sind und schnell und effektiv Leben retten. Ein Trümmersuchhund muss auch unter widrigsten Umständen intensiv suchen, ohne sich ablenken zu lassen.
Die Arbeit eines Trümmersuchhundes kann in vielen Beziehungen als die Krone der Rettungshundearbeit angesehen werden. In keiner anderen Sparte können so viele Schwierigkeiten auf einmal auftreten. Er muss die Witterung der Person aus vielerlei anderen Gerüchen herausfiltern und die Person unter oft meterdicken Trümmerschichten orten. Staub erschwert seine Arbeit, sein Suchgebiet ist oft extrem schwer zu begehen. Einsätze in größeren (ausländischen) Katastrophengebieten bringen zusätzlich noch ganz besondere Belastungen für Mensch und Hund mit: Der lange Transport, die Klimaumstellung, ungewohnte Umgebung, schwierige Verhältnisse, Dauerstress über viele Tage. Nur ein gutes und sorgfältig ausgebildetes Team kann unter solchen Verhältnissen trotzdem gute Arbeit leisten.
5. Fragen zur Ausbildung
5.1 In welchem Alter beginne ich mit der Ausbildung meines Hundes?
Idealerweise startet man mit der Ausbildung des Hundes im Alter von etwa 6 Monaten. Jedoch sollte der Hund nicht älter als vier Jahre sein, da die Ausbildung je nach Hund 2 bis 3 Jahre dauern kann. Laut der aktuell gültigen Prüfungsordnung darf der Hund bei seiner ersten Prüfung nicht älter als 6 Jahre sein.
5.2 Welche Voraussetzungen muss mein Hund erfüllen?
Ein ruhiges, ausgeglichenes Verhalten gegenüber Hunden und Menschen ist unabdingbar. Des Weiteren sollte der Hund über Futter und/oder Spielzeug motivierbar sein. (Das Ganze soll ihm ja auch Spaß machen.)
Von Vorteil ist außerdem ein guter Grundgehorsam, da bei den Prüfungen der Gehorsam regelmäßig überprüft wird, ähnlich der Begleithundeprüfung. Hier empfehlen wir zu Beginn der Ausbildung einen Besuch eine Hundeschule und das Ablegen einer Begleithundprüfung.
Eine gute Bindung zum Hundeführer gehört genauso dazu wie Gesundheit, körperliche und seelische Belastbarkeit.
5.3 Welche Voraussetzungen brauche ich als Hundeführer?
Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und die Bereitschaft ggf. auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen an der Ausbildung teilzunehmen. Teamfähigkeit ist auch notwendig, sowie Freundlichkeit und Verständnis für Hunde.
5.4 Wo und wann findet das Training statt?
Das Training findet jedes Wochenende (abwechselnd Samstag oder Sonntag) in unterschiedlichen Übungsgebieten statt. Die Termine sind immer im Terminplaner auf der Homepage eingetragen. Samstags starten wir um 13:30 Uhr und sonntags um 10:30 Uhr. Hinzu kommen noch die theoretischen Ausbildungsabende ca. 1x im Monat.
5.5 Wie lange dauert das Training?
Die Trainingszeiten sind länger anzusetzen als z.B. auf einem Hundeplatz. 4-6 Stunden am Wochenende sind meist die Regel. Natürlich ist es immer davon abhängig wie viele Hunde und Personen am Training teilnehmen und wie deren Ausbildungsstand ist. RH - Ausbildung ist Teamausbildung. Wer nicht mit seinem Hund arbeitet wirkt bei der Ausbildung der anderen Hunde mit.
5.6 Welche Theoriekenntnisse werden benötigt?
Ein Erste-Hilfe-Kurs wäre schön, kann jedoch auch später gemacht werden.
Der Hundeführer bekommt staffelintern Kenntnisse z.B. zu folgenden Themen vermittelt:
6. Anmeldung zum unverbindlichen Probetraining
7.1 Was kann ich beim Probetrainingmachen?
Um sich einen Überblick über die Arbeitsweise einer Rettungshundestaffel zu verschaffen, kann man gerne nach Anmeldung an einem Trainingstag teilnehmen. Wenn Sie einen Hund haben, bitte mitbringen. Dann lernen wir ihn auch gleich kennen und kleinere Übungen können schon einmal absolviert werden.
7.2 Was wenn ich keinen Hund habe?
Jedes einsatzfähige Rettungshundeteam besteht aus dem Hund, dem Hundeführer und dem Suchgruppenhelfer. Dieser Helfer durchläuft die gleiche theoretische Ausbildung wie der Hundeführer und ist bei den praktischen Trainings anwesend. Im Einsatzfall unterstützt er den Hundeführer bei der Suche indem er überwiegend die Kommunikation zur Einsatzleitung und die Orientierung im Gelände übernimmt. Wird die vermisste Person gefunden, leistet er ebenfalls geeignete Maßnahmen zur Ersthilfe.
Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie die eines Hundeführers und wir freuen uns über jeden, der sich für diese Tätigkeit entscheidet.